Der Bus der Linie 439 nach Downtown ist ein klein wenig teurer als der nach Santa Monica, was wohl vor allem daran liegt, daß die Route über diverse Highways führt. Die Fahrt in die Innenstadt hatte somit ein wenig die Aura des Films 'Speed', war jedoch weit weniger spannend.
An der Ecke 7th / Figueroa Street stiegen wir aus und betraten spontan eine Passage, in der wir Bekanntschaft mit Downtown-L.A.-Preisen machten und folglich umgehend wieder ans Tageslicht strebten.
Wir verliefen uns lange genug in der Passage, um Mittagshunger zu bekommen, und bekämpften selbigen im Wall Street Deli (einem Salat- und Sandwichladen) und dem Restaurant mit dem großen M. (Wo es die süßeste Orangenbrause der Welt gab - pfui Teufel!)
Immer noch im Unklaren, was wir hier eigentlich wollten, latschten wir die erstbeste Straße hinauf und landeten beim Museum of Contemporary Art, das wir eiskalt mit Desinteresse straften. Statt dessen geisterten wir im angrenzenden Bankenviertel herum, fotografierten verbotenerweise eine Topfpflanze und landeten schließlich im Museum der Wells Fargo Bank, wo man so einiges über die Geschichte der ersten Goldgräber und Postkutschen erfahren kann - falls man das denn will.
Langsam aber sicher setzte sich die Überzeugung durch, daß es hier nichts Spektakuläres zu erleben gab, und wir planten die Heimfahrt, wobei wir unbedingt noch einen Abstecher zu einem Einkaufszentrum machen wollten, denn zum einen wollten wir der Sage von den billigen Hosen nachgehen, zum anderen fehlten uns noch so einige Mitbringsel. Nach einem kurzen Besuch in einem Kaufhaus begaben wir uns zurück zur Bushaltestelle und stellten fest, daß wir einem kapitalen Denkfehler unterlagen, denn die Haltestelle lag in einer Einbahnstraße! Wo aber war das Pendant in die andere Richtung?
Wälzen des Stadtplans und dumm aus der Wäsche schauen nützte nichts, doch gelang es uns, jemanden zu befragen, und so versuchten wir zwei Blocks weiter in der Flower Street unser Glück. Und tatsächlich, hier gab es eine Bushaltestelle, es fehlte nur der passende Bus dazu.
Und wie wir da so standen, da hielt neben uns eine Polizeiharley mit einem älteren Polizisten drauf, und der sprach uns an. "Where're you from?" - "Germany!" - "Und woher da?" - "Hannover!" - "Hmm, ich bin im Sauerland großgeworden..."
Wir plauderten ein Weilchen und erfuhren, daß er Ende der fünfziger Jahre hierher ausgewandert und Polizist geworden war. Nun war er eigentlich im Ruhestand, doch werden wohl Polizisten nach ihrer Pensionierung für Filmproduktionen recycelt, und so kam es, daß er gerade in voller Montur auf seiner Maschine unterwegs war.
Ich halte das für eine prima Idee! Die Jungs können sich ein bißchen was zur Rente dazuverdienen, und man muß keine Polizisten wegen der Filmerei von der Arbeit abhalten. Ich frage mich nur, was passiert, wenn ein solcher Pensionär auf dem Weg zur Arbeit für einen Kollegen im Dienst gehalten wird und in irgendwelche Geschehnisse verwickelt wird?!?
Schließlich kam unser Bus, und der Fahrer stellte vollkommen zu Recht fest, daß wir garantiert nicht alle auf die Harley gepaßt hätten und folglich bei ihm besser aufgehoben waren. Auch konnte er uns auf der Suche nach einem Einkaufszentrum behilflich sein und ließ uns in Fox Hills aussteigen, wo wir tatsächlich eine riesenhafte Einkaufspassage inklusive Bekleidungsgeschäft vorfanden. Voller Erwartung stürmten wir hinein, machten die Levi's-Artikel ausfindig, griffen, was billig war und verschwanden in Umkleidekabinen.
Nun bin ich ja nicht gerade gertenschlank, doch blieb mir beim Anprobieren einer jeden Hose spontan die Luft weg. Gerade so als ob 33 Zoll Bundweite hier etwas Anderes wären als zuhause, schnürte es mir unvermittelt den Wanst zu, und der Griff zu weiteren Größen rächte sich ebenfalls, da hier die Beine um einiges zu lang waren. Nach längerem Suchen war es mir schließlich vergönnt, eine Hose mit adäquaten Maßen aufzutun, doch wurde ich auch damit nicht glücklich, da das Schnittmuster offenbar von Herren ausgeht, die im Schritt nach innen gewölbt sind...
Somit stimmte wohl das Gerücht, Hosen wären billig (35$), doch stimmt es ebenso, daß kein Mensch ohne ernsthaftes Magersuchtproblem in so ein Ding reinpaßt. Was blieb zu tun? Nach Souvenirs schauen und die Biege machen!
Daheim im Hotel absolvierten wir ein weiteres Abendessen mit unausgebackenen Brötchen und meinem Schweizermesser, erneuerten die Eimerkühlung und machten ein paar Postkarten reisefertig, bevor ich mit einem Bad im Whirlpool dem Abend entgegensprudelte. Daß dabei die Sprudelei mit einer Eieruhr auf 15 Minuten begrenzt ist, macht, wie ich feststellte, durchaus Sinn; nach einer knappen halben Stunde ging mir fast die Lampe aus!
Der Rest des Tages gehörte dem Fernseher. Zum mindestens dritten Mal stieß ich beim Zappen auf Speed 2, doch bot das Free TV auch Niveauvolleres, so etwa Candid Camera, das Vorbild für 'Bitte Lächeln', moderiert von dem Typen, der der Vater in der Serie Full House ist. (Nicht daß das sonderlich niveauvoll wäre, aber gegen Speed 2 ist selbst Verona Feldbusch niveauvoll!)
Zu guter letzt tat ich auf einem anderen Sender noch einen alten Bekannten auf: Bill Cosby. Der Kollege hat offenbar eine Show mit Kindern, so etwas wie die von Michael Schanze, nur ohne Singen. In dieser Folge sollten ihm die Kiddies zeigen, wie man korrekt Spaghetti ißt, was natürlich in einer Riesensauerei ausartete.
Ein letztes Mal durfte ich in einem riesigen Doppelbett einschlummern; die Ruhestätte der nächsten Nacht versprach um das achtfache kleiner zu sein...
Die Route dieses Tages: