1. Tag: Lauenau - London - Los Angeles


Elterns in Langenhagen Das Abenteuer begann an diesem kühlen Morgen um neun Uhr. Mit dem Bus fuhren wir von Lauenau nach Haste zum Bahnhof und von dort mit dem Zug nach Hannover, wo uns ein Shuttlebus zum Flughafen Hannover-Langenhagen bringen sollte. Das tat er auch, kostete uns aber pro Person zehn Mark; in meinen Augen ein äußerst dürftiger Service für Fluggäste, zumal ab vier Personen ein Taxi billiger wäre!
Dies war noch mal ein letztes Beispiel für deutschen Kundenservice, wir ahnten noch nicht, daß das in anderen Ländern gaaaanz anders aussieht!

Unser Flug sollte um 12.20 Uhr gehen, und so gingen wir tatsächlich um kurz nach zwölf an Bord einer Boeing 757 der British Airways. Ein erster Schreck: Der Chefstewart (oder wie der heißt) bat meine Mutter um ihre Kamera! Wir dachten freilich, sie müsse sie abgeben, weil vielleicht Fotografieren nicht erlaubt sei, doch war etwas anderes der Grund: Der Mann lotste meine Mutter ins Cockpit und machte dort ein Foto von ihr! Von diesem Moment an hatte das Personal natürlich einen Stein im Brett!

Muttern im CockpitWir hatten auf diesem ersten Flug gute Plätze - rechts außen vor der Tragfläche. Auf diese Weise hatten wir das Triebwerk im Blick (und hätten als erste eine Explosion desselben melden können) und hatten eine herrlich freie Sicht auf die Welt unter uns. Allerdings bestand diese zunächst einmal ausschließlich aus Asphalt, denn wir flogen mit über einer Stunde Verspätung ab, um 13.36 Uhr. Für mich, der ich bis dahin noch nie mit einem solchen Vogel geflogen war, war der Start mit seiner enormen Beschleunigung natürlich ein Erlebnis. Los ging es also, über Norddeutschland hinweg, das ein wenig wolkenverhangen war. Es war mir aber ein beeindruckender Blick auf das Steinhuder Meer vergönnt, und auch die Nordseeküste (wahrscheinlich die holländische) schaute mal kurz unter den Wolken hervor.

London von obenEngland präsentierte sich vergleichsweise freundlich; beim Flug über London faszinierte der Blick auf die Innenstadt, und ich sah erstmals in meinem Leben die Tower Bridge und Big Ben, und dann noch aus der Luft! Eine Weile später, nach tausenden von typisch englischen Häusern, kam dann eine sehr große Tennisanlage ins Bild - meiner Ansicht nach Wimbledon, aber ich versteh' nix von Tennis.

Wir landeten um 13.50 Uhr Londoner Zeit, zwar ein wenig holprig, doch wurde die Landung mit Applaus quittiert. Nach dem Zoll mußten wir uns zum Gate 4 begeben, was wegen der immensen Ausmaße des Flughafens nur per (kostenlosem!!!) Bus möglich ist. Unsere ganze Aufregung wurde noch verstärkt, als im Radio dieses Busses ein Song gespielt wurde: "If you're going to San Francisco..."

Der Londoner Flughafen gleicht über weite Strecken eher einer Einkaufspassage: Wohin man schaut, überall sind Duty-Free-Shops, bis hin zu Harrod's findet sich alles. Es hinderten uns aber zwei Dinge daran, auch nur irgendetwas zu kaufen: Erstens, für deutsche Verhältnisse sind selbst diese zollfreien Läden höllisch teuer, ein schlichter Farbnegativfilm z. B. wäre für umgerechnet zehn Mark nicht zu haben gewesen! Zweitens, wir hatten kein englisches Geld.

"Got on board a westbound 747..." Diese Zeile aus 'It never rains in Southern California' bewahrheitete sich um 15.05 Uhr, als wir diesen Höllenvogel bestiegen und feststellen mußten, daß wir äußerst miese Plätze erwischt hatten - der Blick aus dem Fenster offenbarte die rechte Tragfläche in ihrer vollen Schönheit und ließ den Blick auf die darunterliegende Landschaft nicht ohne eine enorme Verrenkung des Genicks zu. Außerdem befanden sich in dieser Maschine mindestens dreimal soviele Leute wie in der vorigen, darunter seltsame Gestalten, schreiende Kinder und alles was man sich sonst noch so wünscht für einen Flug dieser Länge...

Auch jenes Vehikel startete mit über einer Stunde Verspätung und hob somit gegen 17.00 Uhr die Nase in den Londoner Himmel. Es folgten zehneinhalb Stunden auf knapp 0,4 m² pro Person - nicht gerade ein Beitrag zur Urlaubsvorfreude, aber dank genügend Essen und dem Bordradio (Es lief mindestens viermal dasselbe Interview mit den Spice Girls...) ging auch das irgendwie vorüber. Nach insgesamt elf Stunden und 45 Minuten - ich kannte inzwischen jede einzelne Tragflächenniete mit Vornamen - erfolgte die Befreiung aus der fliegenden Sardinenbüchse, und die Crew entließ uns in LAX, den Flughafen von Los Angeles.

Die Begrüßung dort erfolgte durch mehrere Instanzen:
Als erstes lächelte uns Bill Clinton von einem Hochglanzfoto herab an und hieß uns willkommen in seinem Land. Na ja, zumindest diejenigen von uns, die sich bald wieder verdrücken würden - die Einreisebestimmungen sind, wie ich feststellen durfte, recht rigoros.
Das zweite Komittee bestand aus äußerst scharf aussehenden Spürhunden, die mit einem Revolvermann am anderen Ende der Leine an uns entlangschnüffelten. Ich schätze, die Verhaftung eines Drogenkuriers würde sich auf das Einsammeln der Einzelteile beschränken!
Willkommen in L. A.Empfang No. drei erfolgte durch die Zollbeamten, vor die man einzeln treten durfte und die aussahen, als hätten sie unter ihrem Pult den Finger am Abzug von etwas Großkalibrigem. Die Herrschaften strahlten jedenfalls den Charme von Gefängniswärtern aus, doch ließen sie uns anstandslos passieren.
Als nächstes empfingen wir, und zwar unsere Koffer. Eine weitere Kuriosität war der Schirm, den wir von zuhause mitgenommen hatten, da es in Lauenau noch etwas fisselte. Es handelte sich um unser ältestes Modell, und wir wollten ihn eigentlich unterwegs unauffällig loswerden. Leider nur hatte ich ihn in die Laschen meines Koffers gesteckt und so versehentlich mit aufgegeben. Und siehe da: Der Schirm war 10000 Kilometer später immer noch da, sorgsam mit mehreren Schichten Klebeband an den Koffer geleimt! Das spricht absolut für das Flughafenpersonal, nur, was sollten wir mit dem Ding???

Also gut, dann mal raus aus dem Bau. Immerhin war es bereits nach acht Uhr, somit war die Informationsveranstaltung in der Hotellobby des 'Marriott' bereits vorbei. Wir traten also in die Nachtluft hinaus - und wollten am liebsten sofort wieder rein! Vor dem Flughafen herrschte das größte Chaos, das man sich jenseits eines Ameisenhaufens vorstellen kann: Dutzende oder hunderte von Leuten rannten durcheinander, schleppten ihr Gepäck umher, unzählige Taxis und Busse veranstalteten ein Verkehrschaos ungekannten Ausmaßes, überall war Gehupe und Geschrei, und wir kamen uns in dem ganzen Gewühl unglaublich komisch vor. Wie um alles in der Welt sollten wir zum Hotel kommen? In unserer Panik waren wir wild entschlossen, egalwieviel für ein Taxi zu berappen, doch reagierte der Fahrer ganz anders als erwartet (will sagen: anders als von Deutschland gewohnt!): "Zum Marriott? Da hinten hält jeden Moment ein Shuttlebus, den können sie sich ranwinken, der ist kostenlos!"
Da waren wir baff! Welcher deutsche Taxifahrer hätte eine solche Auskunft gegeben, wenn er an uns hätte verdienen können???

LAX-Tower Quelle: Hotelprospekt des Marriott Der Bus kam tatsächlich und beförderte uns aus dem Chaos direkt vor die Eingangshalle des Marriott. Besonders beeindruckend: der Tower des LAX, der im Dunkeln lila angeleuchtet wird und mit seinen vier Betonbügeln aussieht wie eine gerade gelandete fliegende Untertasse.
Im Hotel tat sich auf einmal eine ganz andere Welt auf - zum ersten Mal nach 20 Stunden auf den Beinen standen wir in so etwas wie einer akzeptablen Bleibe. Was natürlich stark untertrieben ist, denn das Marriott - wie überhaupt alle Hotels auf dieser Reise - ist schon ein äußerst edler Schuppen! In der Lobby war jetzt, gegen halb neun, freilich nichts mehr von einer deutschen Reisegruppe zu sehen, und so traten wir zögernd an die Rezeption, um einzuchecken.

LAX-Marriot Quelle: Hotelprospekt des Marriott Ja, sagte uns die Dame, da wären wohl vorhin so welche gewesen, und die hätten einen Zettel am schwarzen Brett hinterlassen. Weckruf 7.30, Kofferabholung 8.00, Treffen und Abfahrt 8.30 Uhr. Nun ja, offenbar waren wir hier richtig, und als wir dann tatsächlich unser Zimmer betraten (Nr. 2125 im Erdgeschoß), fiel natürlich die ganze Hektik der Reise von uns ab, und wir konnten uns beim besten Willen nicht vorstellen, daß wir tatsächlich hier waren, in einem Hotel in Los Angeles, Kalifornien, USA! Der erste, schwierigste Teil war also geschafft.

Unsere Energie reichte noch aus, den Fernseher zu erkunden und uns aus dem Automaten gegenüber eine Dose Eistee zu ziehen. Das Gerät neben dem Automaten gab uns momentan noch Rätsel auf, doch durchblickten wir diese Eigenheit amerikanischer Hotels recht bald: Keins der Häuser hatte auf den Zimmern einen Kühlschrank, aber jedes hatte auf dem Flur eine Eismaschine! Und was machte das für einen Spaß, mit den Dingern zu spielen!!!
Noch etwas gab es zu organisieren - das Frühstück! Hier kam uns ein Pappschild entgegen, das man ausfüllen und bis Mitternacht an die Türklinke hängen konnte, und das des Morgens den Zimmerservice (!) antanzen ließ. Auch wenn wir uns unter vielen Auswahlmöglichkeiten (Eier over easy oder scrambled? Was sind hash browns? (Sowas wie Rösti!) etc.) nichts Rechtes vorstellen konnten, wir ließen es darauf ankommen und bestellten nach Herzenslust unser erstes 'Breakfast in America'...

Die Route dieses Tages:
Route Lauenau - L. A.


11. Juni: Los Angeles - Las Vegas