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Währungssymbol eigentlich auch die Preise hätten ändern sollen.
Es sollte sich aber herausstellen, daß dieser Shop im Vergleich mit
anderen noch eher zu den günstigeren gehörte. Und da geteiltes Leid
bekanntlich erträglicher ist, erfolgte die Einrichtung einer Klassen-
Verzeihung, Bordkasse, die künftig nach Herzenslust geleert und
schweren Herzens wieder gefüllt wurde. Erfreulicherweise fand sich für
die Verwaltung der Lithi-Finanzen eine Freiwillige in Form unserer
Mitseglerin Christiane, die diese Aufgabe in vorbildlicher Weise
erfüllte.
Ein guter Hektoliter Getränke sowie eine kaum zu überschauende Menge hochseetauglicher Nahrungsmittel verschwand nahezu spurlos im Rumpf unserer Yacht. Wir suchten noch einmal die hervorragenden sanitären Einrichtungen der Marina auf, nicht wissend, daß uns in den kommenden zwei Wochen gänzlich andere Verhältnisse erwarten sollten, und schließlich stachen wir frisch geduscht und hochmotiviert in See.
Nach dem motorisierten Verlassen des betonbewehrten Hafens bestand unsere erste Aufgabe darin, unsere Segel angesichts der satt blasenden fünf Beaufort gerefft zu setzen, um sie nicht gleich am ersten Tag in die salzige See zu tunken. Unser Weg sollte uns heute an der Südseite von Kos entlang nach Ormos Kamari führen, einer Bucht im Südwesten der Insel. Da sowohl Selas als auch Irene zuvor noch betankt werden mußten, harrten wir ihrer, indem wir zunächst munter wendend auf- und abfuhren und uns auf diese Weise schon mal mit Schiff und Seegang vertraut machten - unsere Mägen zu besänftigen und daran zu hindern, den aktuellen Verdauungsvorgang mit vollem Umkehrschub abzubrechen, nahm uns dabei recht arg in Anspruch; bereits hier machte es sich bezahlt, daß unsere Superpep-Vorräte dank mehrerer unabhängiger dunkler Vorahnungen ziemlich beachtlich waren.
Als unsere Wendemanöver schon recht gut von der Hand gingen und sich langsam aber sicher die Frage erhob, wo denn wohl die restlichen zwei Flotillendrittel abgeblieben sein könnten, wagten wir uns an die Erforschung des bis dahin weitgehend unbeachtet im Bootsinneren hängenden Instruments mit der schlichten 16 auf dem Display. "Selas, Selas, Selas, hier ist Lithi, Lithi, Lithi, bitte kommen" - diese Phrase sollte uns, was wir hier noch nicht ahnen konnten, gleichsam leitmotivisch über die nächsten 13 Tage begleiten, wenn auch die Reaktion hierauf höchst unterschiedlich ausfiel; das Spektrum der Antworten reichte von himmlischer Ruhe über Rauschen, griechische Wortfetzen, englische Wortfetzen mit griechischem Akzent und Wortfetzen in diversen anderen Sprachen dieser Erde bis hin zu minutenlangen Ausführungen in Deutsch, weitestgehend rauschfrei dargeboten vom flotilleneigenen Interpunktionsverweigerer. An diesem sonnigen Nachmittag vor der Ostküste von Kos blieben wir am unteren Rand dieses Spektrums und so der Antwort auf die Frage nach der Position von Selas und Irene relativ fern. Auch das Bordfernglas, von ähnlicher optischer Qualität wie der Boden einer Arzneiflasche aus dem Fundus des Hippokrates, vermochte uns des Eindruckes nicht zu berauben, wir wären allein, im Stich gelassen, vergessen, verloren.
Nix da! Denn wozu schließlich verfügten wir
auf unserem Kahn über einen Satz Seekarten, mehrere Akademiker, ein
GPS-Gerät und frische Batterien? Mit vereinten Kräften gelang es uns,
diese Utensilien zu aktivieren und damit Kurs aufzunehmen. Es waren
zwei Dutzend Seemeilen bis Ormos Kamari, wir hatten Wind in den Segeln,
einen vollen Tank, Manon hatte Zigaretten, es war hell, und wir trugen
Sonnenbrillen. Nichts konnte uns daran hindern, durch die griechische
See zu pflügen und unser heutiges Ziel anzusteuern, was immer uns dort
auch erwarten mochte!
Vor allem Lärm und Latüchten. Ormos Kamari ist, wie wir feststellen mußten, offensichtlich eine Partybucht, und als wir unter Motor und bei Dunkelheit einliefen, trafen wir nicht nur auf unsere Schwesterschiffe, die es irgendwie geschafft hatten, nach dem Tanken unbemerkt und ohne eine Mitteilung an uns vorbeizuziehen, sondern auch auf eine Unmenge an Lichtern, die uns das Ansteuern des rot blinkenden Leuchtfeuers so vorkommen ließen wie die verzweifelte Suche nach einem freien Parkplatz in der Aachener Innenstadt. Um den audiovisuellen Gesamteindruck zu vervollständigen, beschallten uns mindestens zwei am Hafen gelegene Etablissements mit unterschiedlicher Musik, unter anderem solche, die live vorgetragen wurde, auf daß unser Eindruck schwankte zwischen Konzert und Karaoke. Doch bevor wir all dies genießen konnten, galt es zu ankern, was angesichts des enorm geschickt versteckten Ankerwinschgebers zur zweiten verzweifelten Suche dieses Abends geriet. Abhilfe schuf hier der per Schlauchboot anreisende Organisator, der das vermißte Gerät aus der Vorderkoje barg und alsdann höchstselbst bediente, um die eiserne Kralle mit detaillierten Anweisungen an die Steuerfrau (ungefähr ein Wort pro hinabrauschendes Kettenglied) in die nächtliche See zu versenken.
Die gelungene erste Etappe unserer Reise verlangte nach einem ebenso gelungenen Mahl, und es zeigte sich, daß unsere Crew eine ganze Reihe von Qualitäten in sich vereinte, darunter auch die, ein wohlschmeckendes italienisches Nudelgericht im tiefsten Griechenland gekonnt zuzubereiten. In bester Stimmung schlemmten wir und genossen diesen zweiten Abend, wohl wissend, daß noch viel vor uns lag - Seemeilen, Ankerplätze, kulinarische Höhepunkte und viele Abenteuer im Kreise unserer Crew, die diese erste Phase des gegenseitigen Beschnupperns harmonisch vollendet hatte. Es konnte nur noch besser werden.
Tag 3: Ormos Kamari - Ormos Vlikadhia |